Eine Frau führt verschiedene HWS-Syndrom Übungen in einem hellen Raum durch, um Nackenverspannungen zu lindern.
Nackenschmerzen, Kopfweh, Schwindel beim Drehen des Kopfes – das HWS-Syndrom hat viele Gesichter. Mit diesen 7 Übungen kannst du selbst aktiv etwas verändern, alltagstauglich und wissenschaftlich fundiert.

Artikel teilen:

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Drucken

Inhalte

Übungen & Beschwerden

HWS-Syndrom: 7 effektive Übungen für zu Hause

⏱️ 8 Min. Lesezeit ✍️ Kim Budelmann 📅 Aktualisiert: Juni 2026

Verspannter Nacken, ziehende Kopfschmerzen, vielleicht sogar Schwindel beim Drehen des Kopfes – das HWS-Syndrom kennt viele Gesichter. Die gute Nachricht: Mit gezielten Übungen kannst du selbst sehr viel bewirken. In diesem Artikel zeigen wir dir 7 Übungen, die sich in jeden Alltag integrieren lassen – egal ob im Büro, zu Hause oder unterwegs.

🎯
Gezielt wirksam Übungen sind die wissenschaftlich am besten belegte Maßnahme bei HWS-Syndrom
⏱️
Wenig Zeitaufwand 10–15 Minuten täglich reichen für spürbare Effekte aus
🏠
Zu Hause machbar Alle Übungen funktionieren mit einfachen Alltagsgegenständen

Was ist das HWS-Syndrom und wie entsteht es?

HWS-Syndrom – oder Zervikalsyndrom – ist ein Sammelbegriff für Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Typisch sind Nackenschmerzen, die in Kopf, Schultern oder Arme ausstrahlen können, dazu oft Verspannungen, Kopfschmerzen, gelegentlich auch Schwindel oder ein Kribbeln in den Armen.

Die Ursachen sind fast immer ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: einseitige Haltung im Büroalltag, zu wenig Bewegung, Stress, der sich in der Nackenmuskulatur festsetzt, manchmal auch eine alte Verletzung wie ein Schleudertrauma. In den seltensten Fällen steckt eine ernsthafte strukturelle Erkrankung dahinter – meistens handelt es sich um ein funktionelles Problem der Muskulatur und der kleinen Wirbelgelenke, das sich sehr gut beeinflussen lässt.

🔗
Was steckt hinter dem HWS-Syndrom?

Nackenschmerzen, Schwindel, Kribbeln im Arm – das HWS-Syndrom zeigt sich auf viele Arten. Was genau dahintersteckt und was wirklich hilft: HWS-Syndrom: Ursachen, Symptome & was wirklich hilft →

Warum Übungen bei HWS-Syndrom so wichtig sind

Bei akuten oder chronischen Nackenbeschwerden ist der erste Impuls oft Schonung. Verständlich – aber meistens der falsche Weg. Forschung zeigt: Gezielte Bewegung gehört zu den wirksamsten Maßnahmen bei mechanischen Nackenbeschwerden, deutlich wirksamer als reine Ruhigstellung.[1]

Übungen wirken auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Sie kräftigen die tiefe Nackenmuskulatur, die im Alltag oft zu schwach ist, sie verbessern die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und sie senken nachweislich die Schmerzempfindlichkeit des Nervensystems. Eine kontrollierte Studie zu spezifischen Nackenübungen zeigte sogar deutliche Verbesserungen bei zervikogenem Kopfschmerz, die über mehrere Monate stabil blieben.[2]

Yes!

Du musst nicht abwarten, bis es von allein besser wird. Mit den richtigen Übungen kannst du aktiv etwas verändern – und die Erfolge meistens schon nach wenigen Wochen spüren.

Genau diese Grundlagen vermitteln wir auch in Woche 3 des Yesdays-Nackenkurses, wo es um das Zusammenspiel von Hals- und Brustwirbelsäule geht, bevor wir in Woche 8 gezielt auf Triggerpunkte und das Nervensystem eingehen.

Die 7 besten Übungen gegen HWS-Syndrom

Die folgenden 7 Übungen kombinieren Mobilisation, Kräftigung und Dehnung – also genau die drei Bausteine, die laut Studienlage am wirksamsten sind.[1] Führe sie ruhig und kontrolliert aus, niemals mit Schwung oder durch den Schmerz hindurch.

Mobilisation Brustwirbelsäule über Rolle
Hilfsmittel: 1x große Wasserflasche, 1x Handtuch
1

Mobilisation Brustwirbelsäule über Rolle

Nimm die große Wasserflasche und umwickle sie mit dem Handtuch. Lege dich langsam mit deinem Brustkorb auf die Wasserflasche. Stelle deine Beine auf und halte deinen Kopf und Nacken mit beiden Händen. Drücke nun deine Lendenwirbelsäule Richtung Fußboden und spanne deine Bauchmuskeln an – dein unterer Rücken sollte bei der Übung möglichst hier bleiben. Mit der nächsten Einatmung lehne dich über die Rolle nach hinten und mobilisiere mit 20 federnden Bewegungen deine Brustwirbelsäule in die Streckung.

🔁 3 × 20 Wdh.
Mobilisation obere HWS in Beugung (Nicken)
Hilfsmittel: 1x Stuhl, 1x Handtuch
2

Mobilisation obere HWS in Beugung (Nicken)

Setze dich aufrecht auf einen Stuhl und lege ein Handtuch an deinen Hinterkopf. Halte das Handtuch mit beiden Händen fest und bringe es leicht auf Spannung, indem du es sanft nach vorne und oben ziehst. Gleichzeitig machst du eine kleine Nickbewegung – dein Kinn bewegt sich dabei Richtung Hals, so dass ein Doppelkinn entsteht. Mache hier unter leichtem Zug vom Handtuch ungefähr 15 kleine Nickbewegungen und versuche jedes Mal das ganze Bewegungsausmaß auszunutzen.

🔁 3 × 15 Wdh.
Mobilisation Übergang Halswirbelsäule-Brustwirbelsäule
Hilfsmittel: 1x Stuhl oder Hocker
3

Mobilisation Übergang Halswirbelsäule–Brustwirbelsäule

Setze dich gerade hin. Lege beide Hände an deinen Nacken und fahre mit den Fingern den Nacken hoch und runter, um den großen herausragenden Wirbel im Bereich zwischen Hals- und Brustwirbelsäule zu spüren. Wenn du ihn gefunden hast, lege Zeige- und Mittelfinger genau auf diesen Punkt und streiche mit leichtem Druck nach außen – hier bleiben die Hände liegen. Mit der nächsten Einatmung streckst du den Kopf nach vorne – wie auf Schienen – und anschließend zurück, bis ein leichtes Doppelkinn entsteht.

🔁 2 × 15 Wdh. pro Seite

⚠️ Achte vor allem bei der Rückwärtsbewegung darauf, den Kopf gerade nach hinten zu bewegen – den Kopf nicht in den Nacken legen.

Mobilisation Brustwirbelsäule in Rotation
Hilfsmittel: Matte oder freie Fläche
4

Mobilisation Brustwirbelsäule in Rotation

Du bist im Vierfüßlerstand. Kontrolliere, dass deine Hände unter deinen Schultern und deine Knie unter deinen Hüften sind. Fasse mit deiner rechten Hand an den Hinterkopf – dein Ellenbogen zeigt zur Seite. Mit der nächsten Einatmung drehst du deinen Oberkörper nach oben, so dass dein Ellenbogen Richtung Decke zeigt. Dein Kopf dreht ganz natürlich mit. Drehe den Ellenbogen wieder runter – so weit, dass er auf deine linke Hand zeigt.

🔁 2 × 8 Wdh. pro Seite
Kräftigung Außenrotatoren Schulter
Hilfsmittel: Optional 2x kleine Wasserflaschen
5

Kräftigung Außenrotatoren Schulter

Stelle dich hüftbreit hin, beuge die Knie leicht und lehne dich mit geradem Rücken nach vorne (ca. 2 Sekunden). Lege deine Ellenbogen an den Oberkörper und beuge sie ungefähr 90°. Ziehe die Schultern nach unten und halte sie dort. Drehe nun beide Arme nach außen – die Ellenbogen bleiben dabei am Körper. Hier kurz halten, das Brustbein nochmal bewusst heben und die Arme wieder zurück. Optional kannst du kleine Wasserflaschen als Gewicht halten.

🔁 2 × 15 Wdh.
Kräftigung tiefe Nackenmuskeln
Hilfsmittel: 1x dickes Paar Socken
6

Kräftigung tiefe Nackenmuskeln

Diese Übung kräftigt die tiefen Nackenflexoren – eine Muskelgruppe direkt an der Wirbelsäule, die den Nacken stützt und stabilisiert. Du liegst auf dem Rücken und legst das dicke Sockenpaar in die Kuhle zwischen Halswirbelsäule und Boden. Lege den Kopf wieder ab, ziehe die Schultern nach unten, bewege das Kinn Richtung Hals (leichtes Doppelkinn) und strecke die Halswirbelsäule in die Länge. Spüre, wie ein kleiner Druck auf die Socken entsteht. Halte für 1–2 Atemzüge (ca. 10 Sek.) und löse dann wieder.

🔁 3 × 10 Sek. halten

⚠️ Drücke den Hinterkopf nicht in den Boden – es ist eine ganz kleine Bewegung des Kinns Richtung Hals.

💡 Die Ausführung und vor allem die Selbstwahrnehmung ist nicht ganz einfach. Hier findest du sie in einem Video erklärt: Zur Video-Erklärung auf YouTube →

Detonisierung Trapezmuskel mit Faszien-/Zuckerball
Hilfsmittel: 1x kleines Kissen, 1x Faszienball oder Zuckerball
7

Detonisierung Trapezmuskel mit Faszien-/Zuckerball

Du liegst auf dem Boden, dein Kopf liegt auf einem kleinen Kissen. Lege den Ball an eine Stelle im rechten Schulter-Nacken-Bereich, die sich verspannt anfühlt. Leg die rechte Hand auf den Bauch und bleib zunächst einfach liegen – spüre den leichten, wohltuenden Druck. Bewege dann deinen rechten Arm langsam nach oben und spüre, wie sich der Druck verändert. Lege den Handrücken auf die Stirn und lasse den Ellenbogen nach unten sinken. Entspanne dich für etwa 1 Minute und atme bewusst in den Bereich hinein. Wiederhole das Ganze auf der linken Seite.

🕐 Je ca. 1 Min. pro Seite

Wie oft solltest du die Übungen machen?

Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Es bringt mehr, jeden Tag 10 Minuten zu üben, als einmal pro Woche eine Stunde. Eine gute Faustregel:

  • Mobilisations- und Dehnübungen: täglich, gerne mehrmals
  • Kräftigungsübungen: 3–4× pro Woche, mit Pausentagen dazwischen
  • Kurze Lockerungs-Pausen im Büro: alle 60–90 Minuten

Erwarte keine Wunder über Nacht. Die meisten Menschen spüren erste Verbesserungen nach 2–3 Wochen konsequenter Übung – nachhaltige Veränderungen brauchen oft 6–8 Wochen.

Häufige Fehler bei HWS-Übungen vermeiden

⚠️
Diese Fehler bremsen deinen Fortschritt

Schwungvolle Bewegungen statt Kontrolle: Der Nacken mag langsame, bewusste Bewegungen – Schwung erhöht das Risiko statt zu helfen.

Durch den Schmerz hindurch üben: Ein leichtes Ziehen ist normal, scharfer Schmerz ist ein Stoppsignal.

Nur an „schlechten Tagen" üben: Regelmäßigkeit ist entscheidend – auch an guten Tagen weiterüben.

Nur den Nacken isoliert betrachten: Schultern, Brustwirbelsäule und Haltung hängen eng zusammen – wer nur den Nacken dehnt, übersieht oft die eigentliche Ursache.

🔗
Mehr zur Behandlung

Welche Therapien bei Nackenschmerzen laut aktueller Leitlinie wirklich empfohlen werden – und welche nicht – erklären wir hier: S3-Leitlinie Nackenschmerzen 2025 – einfach erklärt →

Wann du zum Arzt gehen solltest

Die allermeisten HWS-Beschwerden lassen sich gut mit Übungen und Eigeninitiative beeinflussen. In einigen Fällen solltest du dich aber ärztlich abklären lassen, bevor du selbstständig übst:

🚩 Warnsignale, bei denen du zur Ärztin oder zum Arzt solltest
  • Plötzlicher, sehr starker Nackenschmerz nach einem Unfall oder Sturz
  • Taubheit, Kraftverlust oder anhaltendes Kribbeln in Arm oder Hand
  • Schwindel, der nicht eindeutig mit Kopfbewegungen zusammenhängt
  • Fieber, ungewollter Gewichtsverlust oder starkes nächtliches Schwitzen zusätzlich zu den Beschwerden
  • Beschwerden, die trotz konsequentem Üben über mehrere Wochen nicht besser werden

Liegt keines dieser Warnsignale vor, kannst du beruhigt mit den Übungen starten. Eine ärztliche oder physiotherapeutische Untersuchung gibt dir zusätzlich Sicherheit, welche Übungen für deine konkrete Situation am sinnvollsten sind.

Dein strukturiertes Übungsprogramm gegen Nackenschmerzen

Einzelne Übungen helfen – aber ein strukturiertes Programm, das Mobilisation, Kräftigung und Alltagstransfer sinnvoll kombiniert, bringt deutlich nachhaltigere Ergebnisse. Genau das ist der Grund, warum wir den Nackenkurs Schritt für Schritt aufgebaut haben: Du lernst nicht nur einzelne Übungen, sondern verstehst, warum dein Nacken sich so verhält, wie er es tut – und was du wann tun solltest.

Ein einfacher Einstieg für diese Woche: Wähle 3 der oben genannten Übungen aus, baue sie morgens und abends für je 5 Minuten ein – und beobachte nach 2 Wochen, wie sich dein Nacken anfühlt.

Jetzt ins Tun kommen

Dein Nacken verdient mehr als 7 einzelne Übungen

Im Yesdays-Nackenkurs widmen wir uns über 8 Wochen systematisch deiner Halswirbelsäule – von den Grundlagen in Woche 1 bis zu Triggerpunkten und dem Nervensystem in Woche 8. Verständlich erklärt, sofort umsetzbar, von vielen Krankenkassen bezuschusst.

Jetzt kostenlos reinschnuppern →

Keine Anmeldung erforderlich · Von Krankenkassen bezuschusst · Sofort starten

Häufige Fragen zu HWS-Übungen

Wie schnell wirken Übungen bei HWS-Syndrom?

Viele Menschen spüren erste Erleichterung schon nach wenigen Tagen, etwa weniger Steifigkeit. Spürbare, stabile Verbesserungen brauchen meistens 2–6 Wochen regelmäßiges Üben – Geduld lohnt sich.

Darf ich bei akuten Schmerzen trotzdem üben?

In den meisten Fällen ja – sanfte Bewegung ist besser als komplette Schonung. Reduziere dabei Bewegungsumfang und Intensität, bleibe unterhalb der Schmerzgrenze und steigere langsam, sobald es sich besser anfühlt.

Können diese Übungen auch Schwindel bei HWS-Syndrom lindern?

Bei zervikogenem Schwindel, also Schwindel mit Ursprung im Nacken, zeigen Studien, dass gezieltes Eigentraining die Beschwerden deutlich reduzieren kann.[3] Tritt der Schwindel sehr stark auf oder lässt er sich nicht eindeutig auf Kopfbewegungen zurückführen, sollte er vorher ärztlich abgeklärt werden.

Reichen die Übungen allein oder brauche ich zusätzlich Physiotherapie?

Bei leichten bis mittleren Beschwerden reichen regelmäßige Übungen oft vollkommen aus. Bei anhaltenden, starken oder wiederkehrenden Beschwerden kann eine begleitende Physiotherapie sinnvoll sein, um die Ursache genauer zu identifizieren und das Übungsprogramm individuell anzupassen.

Fazit

Das HWS-Syndrom muss kein Dauerzustand sein. Mit den richtigen Übungen, regelmäßig und mit Geduld angewendet, kannst du selbst sehr viel bewirken – wissenschaftlich gut belegt und ohne großen Aufwand.

Starte heute mit einer einzigen Übung, statt auf den „perfekten" Moment zu warten. Dein Nacken merkt jede kleine, regelmäßige Bewegung.

KB
Über die Autorin

Kim Budelmann

Physiotherapeutin · Manualtherapeutin · Gesundheitswissenschaftlerin (M.Sc.)

Kim Budelmann ist Physiotherapeutin, Manualtherapeutin und Gesundheitswissenschaftlerin (M.Sc.). Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich und praktisch mit Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen und ist Autorin mehrerer Fachpublikationen zu Beschwerden der Halswirbelsäule und des Kopfbereichs.

Die Inhalte dieses Artikels basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie klinischer Erfahrung aus Therapie, Forschung und Prävention.

Bleib auf dem Laufenden

Mehr Wissen für deinen Nacken – direkt ins Postfach

Trag dich in unseren Newsletter ein und erhalte regelmäßig Übungen, Hintergrundwissen und Tipps von Kim – verständlich erklärt, ohne Fachchinesisch.

Jetzt zum Newsletter anmelden →

Kostenlos · Jederzeit abbestellbar · Keine Weitergabe deiner Daten

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Gross A, Kay TM, Paquin JP, et al. (2015): Exercises for mechanical neck disorders. Cochrane Database of Systematic Reviews.
    pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25629215/
  2. Jull G, Trott P, Potter H, et al. (2002): A randomized controlled trial of exercise and manipulative therapy for cervicogenic headache. Spine.
    pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12221344/
  3. Piromchai P, Toumjaidee N, Srirompotong S, Yimtae K (2023): The efficacy of self-exercise in a patient with cervicogenic dizziness: A randomized controlled trial. Frontiers in Neurology.
    ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9972221/

Hinweis: Dieser Artikel gibt allgemeine Gesundheitsinformationen wieder und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich bitte an eine Fachperson.