Mann mit Brille arbeitet entspannt und aufrecht am Bildschirm, Brillenetui auf dem Tisch

Bildschirmbrille: Wann dein Arbeitgeber sie bereitstellen muss

Wer am Bildschirm schlecht sieht, schiebt den Kopf nach vorne. So findest du heraus, wann eine spezielle Bildschirmbrille nötig ist.

Artikel teilen:

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Drucken

Inhalte

Kennst du das? Die Schrift auf dem Bildschirm wirkt etwas unscharf, also rückst du näher heran. Der Kopf wandert nach vorne, die Augen kneifen sich zusammen, die Stirn spannt sich an. Nach ein paar Stunden sind Augen und Nacken müde.

Warum schlechtes Sehen den Nacken belastet

Wenn du den Kopf nach vorne schiebst, muss die Nackenmuskulatur ihn dauerhaft halten. Gleichzeitig arbeiten die Muskeln rund um Augen und Stirn mit. Menschen mit chronischen Spannungskopfschmerzen zeigen im Schnitt häufiger eine vorgeschobene Kopfhaltung.[1] Gutes Sehen ist deshalb auch Nackenpflege.

Ein häufiger Sonderfall ist die Gleitsichtbrille. Der Bereich für die Nähe liegt unten im Glas. Um den Bildschirm scharf zu sehen, legen viele den Kopf in den Nacken und schieben das Kinn vor. Eine Bildschirmbrille ist dagegen auf den Abstand zum Monitor eingestellt.

Wann dein Arbeitgeber eine spezielle Sehhilfe stellen muss

Bei Tätigkeiten an Bildschirmgeräten muss der Arbeitgeber eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten. Dazu gehört eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens. Ergibt sich dabei, dass eine augenärztliche Untersuchung nötig ist, muss der Arbeitgeber sie ermöglichen.[2]

Eine spezielle Sehhilfe muss der Arbeitgeber im erforderlichen Umfang bereitstellen, wenn die Vorsorge ergibt, dass sie für die Bildschirmarbeit notwendig ist und normale Sehhilfen nicht geeignet sind.[2] Das ist kein pauschaler Anspruch auf eine beliebige Brille. Kläre vor einer Bestellung mit deinem Arbeitgeber, welche Sehhilfe erforderlich ist und wie die Bereitstellung abläuft.

Schritt für Schritt zur Bildschirmbrille

  • Nachfragen: Sprich die Personalabteilung, den Betriebsarzt oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit an. Frag nach der Angebotsvorsorge für „Tätigkeiten an Bildschirmgeräten“. Viele Firmen haben dafür ein eigenes Merkblatt.
  • Arbeitsplatz ausmessen: Miss den Abstand von deinen Augen zum Bildschirm und notiere, wie viele Monitore du nutzt und ob du viel mit Papier arbeitest. Das brauchst du für die Untersuchung.
  • Augen untersuchen lassen: Die arbeitsmedizinische Vorsorge umfasst eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens. Falls nötig, muss eine augenärztliche Untersuchung ermöglicht werden.
  • Bescheinigung holen: Wenn eine spezielle Sehhilfe nötig ist, lass dir das schriftlich bestätigen.
  • Kostenzusage vor dem Kauf: Kläre vorab mit deinem Arbeitgeber, welche Kosten übernommen werden und ob du einen bestimmten Optiker nutzen sollst. Kaufst du vorher auf eigene Faust, bleibst du womöglich auf der Rechnung sitzen.
  • Brille anfertigen lassen und abrechnen: Der Optiker fertigt die Brille nach der Bescheinigung. Die Rechnung reichst du beim Arbeitgeber ein. Oft gehört die Brille danach dem Betrieb und bleibt am Arbeitsplatz.

Auch Bildschirmarbeit im Home Office fällt grundsätzlich unter die Vorsorge. Kläre mit deinem Arbeitgeber, wie der Ablauf organisiert ist. Die ArbMedVV regelt die Vorsorge für Beschäftigte.

Und der Blaulichtfilter?

Viele Bildschirmbrillen werden mit Blaulichtfilter angeboten. Eine große Cochrane-Übersicht aus 2023 hat allerdings keinen Beleg gefunden, dass solche Gläser die Augenermüdung am Bildschirm kurzfristig verringern.[3] Wenn dir die Tönung angenehm ist, spricht nichts dagegen. Nötig ist sie für die meisten nicht.

Was du sofort tun kannst

Bis die Brille da ist: Vergrößere die Schrift auf deinem Bildschirm, statt näher heranzurücken, und gönn deinen Augen regelmäßig eine Pause. Weitere Ideen für deinen Schreibtisch findest du im Tipp Arbeitsplatz einstellen.

Quellen

  1. Fernández-de-las-Peñas C et al. (2006): Forward head posture and neck mobility in chronic tension-type headache: a blinded, controlled study. Cephalalgia, 26(3), 314–319. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16472338
  2. Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV), Anhang Teil 4 Abs. 2 Nr. 1. www.gesetze-im-internet.de/arbmedvv/BJNR276810008.html
  3. Singh S, Keller PR, Busija L et al. (2023): Blue-light filtering spectacle lenses for visual performance, sleep, and macular health in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD013244. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36645796

Hinweis: Dieser Artikel gibt allgemeine Gesundheitsinformationen wieder und ersetzt keine individuelle ärztliche oder therapeutische Beratung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wende dich bitte an eine Fachperson.